| Die geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der GKV könnte eine verstärkte Abwanderung in die private Krankenversicherung (PKV) auslösen – nach Der Spiegel rechnet das Bundesgesundheitsministerium mit rund 100.000 Wechseln. VdK-Präsidentin Verena Bentele: „Wer den Wechsel in die private Krankenversicherung politisch empfiehlt, spielt mit sozialen Risiken, denn im Alter wird sie oft zur Kostenfalle: Beiträge richten sich nach Alter und Gesundheit, nicht nach Einkommen. Sie bleiben auch dann hoch, wenn die Rente sinkt. Es fehlt also der soziale Ausgleich: In der gesetzlichen Krankenversicherung werden Einkommen und Risiken solidarisch geteilt, während in der privaten Krankenversicherung jeder sein eigenes Kostenrisiko trägt und Beiträge bei steigenden Gesundheitskosten anziehen. Auch für ältere Menschen mit wenig Geld ist eine Rückkehr in die GKV unmöglich. Damit wird für viele eine kurzfristige Entscheidung zum Armutsrisiko. Wer den Menschen jetzt den Wechsel in die PKV empfiehlt, schwächt die Finanzierungsbasis. Denn die GKV lebt vom Solidarprinzip: Starke Schultern tragen mehr. Daher ist die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze ein Beitrag, den Besserverdienende für die ganze Gemeinschaft leisten. Dass diese Obergrenze in der GKV steigt, die Versicherungspflichtgrenze – also die Einkommenshöhe, ab der man sich überhaupt erst privat versichern darf – jedoch nicht, ist ein schwerer Fehler. Das treibt Menschen aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung. Der VdK fordert daher eine ehrliche Debatte für die Stärkung der solidarischen Finanzierung, nicht ihre Aushöhlung. Am Ende einer solchen Debatte steht für den VdK nach wie vor eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen. Diese würde die meisten der aktuell diskutierten Finanz- und Gerechtigkeitsthemen im Gesundheitsbereich lösen. Dazu bedarf es aber eines echten Reformwillens im Sinne der Menschen.“ |